„Es ist ein Job, da fragt man nicht nach Liebe“

Licht und großzügig ist die Wohnung, an deren Tür ich geklingelt habe, ein Neubau in einer der besseren Hamburger Wohnlagen. Die beiden Frauen, die mich empfangen, sind sich auf den ersten Blick verblüffend ähnlich: lässig, natürlich und kaum geschminkt, das dunkelblonde Haar zum Pferdeschwanz gebunden. Sie tragen Jeans und schlichte Oberteile aus edlen Naturmaterialien. Wir nehmen Platz an einem großen Tisch im offenen Wohnbereich, beginnen zu reden und hören erst viele Stunden später wieder damit auf.

Victoria ist 30, Paulina ein paar Jahre älter. Beide kommen aus bürgerlichen Elternhäusern, sind gut ausgebildet, hatten nicht die schlechtesten Jobs, in der Werbung und in einem Notariat. Aber sie wollten mehr: mehr Erfahrungen, mehr eigenes Geld, mehr Möglichkeiten, über ihr Leben zu bestimmen. So hat die eine schließlich beschlossen, ihre eigene Escort-Agentur zu gründen, und die andere ist eins ihrer am häufigsten gebuchten „Mädchen“. Paulina kann man sich – unter anderem Namen – auch auf der Website ansehen. Unmaskiert.

Viele der Frauen dort zeigen ihr Gesicht, obwohl sie alle eine zweite Existenz haben, als Studentin, Berufstätige, Ehefrau, Mutter. Erkannt werden sie nie. Und auch mir fällt es schwer, in dem Escort-Mädchen, das sich dort mit Strapsen und lasziv geöffneter Business- Kleidung präsentiert, jene junge Frau wiederzuerkennen, die mir jetzt freundlich lächelnd gegenübersitzt. „Vor zehn Jahren wäre ich noch empört gewesen, wenn mir jemand erzählt hätte, dass ich mal in dem Bereich arbeite.“ Sie sieht jung und zerbrechlich aus, als sie das sagt. Irgendwann hat sie zufällig den Betreiber einer Escort- Agentur kennen gelernt und fand das sofort spannend. Ein Jahr dauerte es dann noch, dann stand die Entscheidung fest: „Das probier ich mal aus.“

Info: Escort-Service

Früher sprach man von Callgirls. Heute bietet eine mindestens dreistellige Zahl von Escort-Agenturen in Deutschland ihre Dienste an: Es geht um einen – meist weiblichen – Begleitservice zum Essen oder zu gesellschaftlichen Anlässen, fast immer aber auch um Sex. Gebucht werden in der Regel zwei Stunden, die Preise beginnen bei 300 Euro für ein gemeinsames Essen und steigen schnell in den vierstelligen Bereich. Escort- „Models“ legen oft Wert auf die Feststellung, dass sie dieser Tätigkeit nur nebenberuflich und aus Spaß nachgehen. Die meisten Agenturen überlassen es auch der freien Vereinbarung zwischen Kunden und Escort-Damen oder -Herren, was in der gemeinsamen Zeit passiert.

 

 

Quelle: http://www.brigitte.de/frauen/gesellschaft/escort-service-frauen-1087514/2.html

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